Ein Jahr Upcycling

Hallo, ich bin Svenja von den kaidso Onlinekursen. Ich bin zweifache Mutter, verheiratet und ich Lebe meinen Traum: ich habe mein Hobby zum erfolgreichen Beruf gemacht!

Seit 2007 bin ich selbstständig im Bereich der Schneiderei. Schnittmuster selber machen, Maßanfertigungen entwickeln, Mode designen und andere darin unterrichten sind meine Berufung.

Ich liebe es einfach, und man schätzt mich in meinen treuen Kundenkreisen besonders für meine Offenheit, meine Lebensfreude und meinen Mut, neue Wege zu gehen.

Allerdings muss ich offen gestehen, dass mir seit einiger Zeit ein Kloß im Hals steckt, den ich nicht so leicht herunter schlucken kann.

Schon lange versuche ich größtenteils darauf zu Verzichten, mit Bekleidung zu kaufen. Als Natur – und Umweltfreund, als Mutter, einfach als bewusster Mensch, kann ich vor den Missständen, die in der Textilbranche herrschen, einfach die Augen nicht schließen. Und wir alle wissen es:

Es wird immer mehr mit immer schlechterer Qualität hergestellt. Mehr als 1 Million Tonnen langen jährlich im Müll und in der Entsorgung – und das allein in Deutschland! Traurig dabei ist nicht die Tatsache der Wegwerfgesellschaft an sich…sollen die Leute doch kaufen (2015 wurden 64,5 Milliarden für Klamotten ausgegeben)….aber der „Rattenschwanz“ hinten dran, der sollte eigentlich jeden vernünftig denkenden Menschen zum Umdenken bringen.

Schadstoffe in textiler Neuware, sogenannte „Pflanzenschutzmittel“, krebserregende Farbstoffe wie Azofarben, Nachbehandlungen wie „antibakteriell“ oder „bügelfrei“. Wer sich näher informiert, der bekommt alleine beim Lesen Gänsehaut.

Natürlich sind in Deutschland viele verboten, aber auf Umwegen landet ein Großteil dann doch wieder in unseren Kleiderschränken. Und denen unserer Kinder. Wir greifen dann da oft zu „geprüfter“ Ware wie z.B. Öko Tex 100, wissen aber oft gar nicht, was sich hinter diesen Schutzzeichen verbirgt. Oft werden die wasserlöslichen Substanzen, die in der Faser stecken, nämlich gar nicht geprüft, sondern nur das „trockene“ Endprodukt.

Schlimm für uns, aber was noch viel schlimmer ist, sind die Umstände, unter denen diese Textilien hergestellt werden. Ihr wisst im großen und ganzen alle Bescheid, oder? Ja, man macht gerne die Augen zu, wenn man nicht direkt nebenan wohnt. Aber Kinderarbeit, verätzte Haut, Krankheiten und früher Tod sollten auf 80 % unserer Bekleidung ebenfalls im Etikett stehen. Kontrolliert werden in den meisten Fällen da nur die „Vorzeigestätten“. Wer da im Hintergrund alles noch mitwirkt, darüber weiß doch kaum einer Bescheid. Dabei sollte jeder von uns einmal Google bemühen um zu recherchieren. Ihr werdet auf Berichte wie „64 – Stunden – Woche für 6 – Jährige“ stoßen. Aktuelle Berichte. Es ist nicht nur ein einzelner Bericht, sondern viele gleiche und ähnliche. Stellt euch mal vor, dass würde euren Kindern passieren. Aber tja, ist immer noch besser als verhungern – oder?!

Auf der anderen Seite dann die Umwelt – Katastrophe. Dabei ist Baumwolle doch so gut für Mensch und Umwelt, oder? Auch hier könnt ihr bei näherer Recherche mal einen Blick in die Zahlen werfen:

Der Anbau der Baumwolle für ein einziges Baumwoll-T-Shirt verschlingt bis zu 2000 Liter Wasser! Das ist nicht das Wasser, was wir hier mal eben aus der Leitung zapfen, sondern das Wasser, weswegen dort, wo die Baumwolle angebaut wird, Menschen verdursten! Weltweit werden für die Baumwollproduktion jährlich 256 Kubikkilometer Wasser benötigt. Der konventionelle Anbau, der über 99,5 % der Welternte liefert, erfolgt meistens in großen Monokulturen ohne Fruchtfolgen. Die Böden verlieren dadurch ihre Fruchtbarkeit. Die Folgen sind der massive Einsatz von Kunstdüngern und die damit verbundene Versalzung der Böden. Die Böden sind nach einigen Jahren nicht mehr nutzbar und erodieren, das Grundwasser wird durch den Einsatz von Pestiziden und Chemikalien zum färben und Bleichen vergiftet. Aber nicht hier bei uns, wo das Shirt dann nicht mal 5 Euro kostet…

Schockierend sollten noch dazu alle künstlich hergestellten Stoffe sein. Ich meine damit Plastik wie Polyester, das wir auf unserer Haut, unserem größten Organ, tragen. Rund 60 % aller Textilfaser bestehen derzeit aus dem auf Erdöl basierendem Stoff. Mikroplastik landet im Wasser, in der Umwelt, in unserem Essen. Lecker! Die Aufbereitung des Öls ist außerdem energieintensiv und verbraucht enorm viel Wasser. Große Mengen giftiger Flüssigkeiten gelangen durch die Ölproduktion in Flüsse, Gewässer und sogar ins Grundwasser.

Es gäbe noch so vieles zu Berichten, aber informiert euch doch vielleicht einfach mal selber. Das Internet ist voll von Artikeln, Studien, Tabellen, Aufzeichnungen.

Und was sollen wir jetzt tun? Klar – wir nähen am besten einfach selbst! Clever! Aber Moment….war da nicht was zum Thema Textil und Stoffe? Mal ganz abgesehen davon, dass unsere so geliebten Stoffe nicht als bereits gefertigte Kleidung zu uns kommt, kann ich bei meinen Recherchen keine Unterschiede finden.

Schön bunt, flauschig, weich, süß, opulent, cool, wasserdicht und luftdurchlässig…wenn ich an Stoffe denke, dann schlägt mein Herz schneller. Schlägt? Schlug! Denn nach meinem ernüchternden Versuch, wenigstens die Stoffe dann „bio“, „fair“ und nach GOTS Standard herstellen zu lassen bin ich auch hier auf große große Lücken, viele Fragezeichen oder einfach auch gar keinen Auskünften gestoßen.

Anscheinend weiß niemand so genau, wo denn nun was überhaupt her kommt. Fragt man große Hersteller, sind auch dort Ausreden und Schuldzuweisungen schnell gefunden. Das vor 3 Jahren ausgestellte GOTS Zertifikat wird in die Kamera gehalten…ob der derzeitige Stoff denn auch kontrolliert ist wird? Nein…das sei doch unnötig. HIER ist doch das Zertifikat.

„Nirgendwo wird so viel gelogen wie in der Textilindustrie…außer vielleicht an der Börse!“ Der Satz kommt nicht von mir, sondern von einer lieben Kollegin. Und sie hat Recht! Die 1 % Baumwolle, die tatsächlich nachweislich biologisch, ökologisch und fair nachzuvollziehen ist bis hin zum Endprodukt beläuft sich auf ca. 1 % der weltweiten Produktion. Ist schon irgendwie merkwürdig, dass es derzeit so viele „Bio“ und was-weiß-ich-zertifizierte Stoffe gibt…oder werden wir vielleicht tatsächlich wohl wissend belogen? Hauptsache das Geld kommt rein?

Insider in der Textilherstellung sagen: „JA!“Gespräche mit einem deutschen Hersteller ließen mich mit einem großen Loch im Herzen zurück. Ich war erschüttert und ernüchtert. Meinen „kleinen“ Ausflug in die Textilbranche könnt ihr auf meiner Facebook-Seite „Stoffjunkies“ selbst einsehen. Vom großen Glück, endlich selbst etwas gutes auf die Beine stellen zu können zur großen Enttäuschung: es ist nicht alles gut, was den Anschein macht.

Meine Verhandlungen mit der GOTS Beschwerdestelle ziehen sich endlos hin…eine wirkliche Antwort habe ich bis heute nicht. Die Antwort auf meine Beschwerde: „Der Händler besitzt ein GOTS Zertifikat“ habe ich mit „Das soll ja wohl hoffentlich ein Witz sein!“ zurück geschickt. Mal sehen, wie es in diesem Fall weiter geht.

Ob ihr nun weiter Textilien kauft oder Stoffe, oder wo und wie ihr sie kauft: das könnt natürlich nur ihr selbst entscheiden. Nicht jeder hat mal eben 25 Euro pro Meter Stoff über. Vor allem nicht, wenn man sich dann nicht einmal sicher sein kann, dass auch wirklich das drin ist was drauf steht… was also können wir tun? Wir? Ich, als „kleiner Fisch im Haifischbecken?“

Selbst wenn ich mich jetzt jahrelang schmollend in eine Ecke verziehe und wütend, sauer, enttäuscht und traurig bin…würde das etwas ändern? Wohl kaum. Kann ich in der nächsten Zeit eine eigene Stoffherstellung auf die Beine stellen und ist das etwas, was ich tun möchte? Eigentlich nicht…eigentlich ist das, was ich eigentlich beruflich mache, wirklich das, was ich liebe. Und was ich weiter machen will…

Ohne etwas zu ändern oder wenigstens ein Zeichen zu setzen kann ich aber auch nicht einfach weiter machen. Und deswegen habe ich mir folgendes überlegt, und ich hoffe auf eure Unterstützung, auf euer Mitwirken, auf eure Inspiration, auf eure innere Stimme, die genauso wie ich etwas ändern will in dieser Welt. Für eine bessere Zukunft. Für unsere Kinder. Für uns.

UPCYCLING! KAUFBOYKOTT! Ein ganzes Jahr lang. Weder Bekleidung noch Stoffe kaufen. Das verwenden, was eh schon da ist. Dem Zwang nach „immer mehr und immer was neues“ widerstehen und sich ein mal in Ruhe Gedanken machen, was man aus dem, was bereits da ist, machen kann. Ich mache es! Machst DU mit?

Ich habe gerade die Gruppe „Ein Jahr Upcycling“ auf Facebook erstellt. Hier ist der Link:

https://www.facebook.com/groups/einjahrupcycling/

Ich werde ab diesem Monat ein Jahr lang selbst keine Bekleidung und auch keine Stoffe kaufen. Ob ihr es macht, ist euch überlassen. Für einige Projekte ist es vielleicht sinnvoll, einen Stoff dazuzukaufen. Schaut vielleicht dann wirklich drauf, WO ihr Stoffe kauft und WAS für welche.

Ich werde Onlinekurse zum Upcycling für Bekleidung machen und euch mit Infos, Tipps und Tricks ausstatten. Und ich hoffe, dass viele von euch und auch eure Freunde und Bekannte dabei sind und mit machen. Teilt diesen Artikel. Ladet alle ein, die ihr kennt. Wir sind doch SO viele kreative Menschen hier, da sollte es doch möglich sein, dass wir zusammen etwas bewegen? Alleine ist es vielleicht wirklich kaum machbar…aber zusammen? Wenn jeder von uns es nur schaffen könnte, wenigstens 50 % seiner Bekleidung aus bereits bestehender, alter Bekleidung zu machen…das wäre doch schon ein toller Erfolg. Und vielleicht bringt es ja die Textil – und Stoffhersteller doch einmal zum nachdenken. So lange wir einfach alle weiter mit machen, kaufen und die Augen schließen wird auch alles immer so weiter gehen. Lasst es und zusammen versuchen!

Ich freue mich auf meine neuen Projekte und noch viel mehr freue ich mich darüber, meinen Partner Singer Nähmaschinen mit an Bord zu haben. Sicherlich ein gewagtes Unterfangen, aber wieder einmal zeigt sich, dass auch in großen Firmen Menschen mit Herz und Hirn sitzen, die genauso wie „wir Kleinen“ Wege finden wollen, die Welt ein bisschen besser zu machen. Herzlichen Dank dafür!

Ich sehe euch dann hoffentlich gleich in der Gruppe 😉 Die neuen Videos sind bereits in Vorbereitung und schon bald wird es los gehen. Ich bin wieder guter Dinge und habe so richtig Lust, mich kreativ und handwerklich der Herausforderung UPCYCLING zu stellen. Bin selbst ganz gespannt, was da so alles entstehen wird. Röcke, Kleider, Hosen, Jacken…oh…Unterwäsche kann man ja auch ganz prima machen 😉 War nicht schon lange der Wunsch von euch nach einen Kurs für Schlübbis da?! 😉 Mal sehen….lasst euch überraschen 😀

Herzlichst, eure Svenja von den kaidso Onlinekursen